29/05/2026
Vergangenen Mittwoch stand ein Programm auf dem Plan, das schon auf dem Papier einiges versprochen hat: Rossinis Ouvertüre zu Semiramide, Liszts 2. Klavierkonzert und nach der Pause Beethovens 7. Symphonie.
Das Orchestra Sinfonica di Milano unter Emmanuel Tjeknavorian hat einen Abend gestaltet, der vor allem durch seine Klarheit und Energie überzeugt hat. Bereits Rossinis Semiramide-Ouvertüre war präzise aufgebaut, mit feinem Gespür für Dynamik und den typischen Rossini-Kontrasten zwischen Spannung und Leichtigkeit.
Besonders gespannt war ich auf Liszts 2. Klavierkonzert mit Kiron Atom Tellian. Sein Spiel war technisch beeindruckend, aber vor allem musikalisch durchdacht. Keine bloße Virtuosität um der Virtuosität willen, sondern eine Interpretation mit Linie, Farbenreichtum und viel Sinn für die lyrischen Passagen des Werks. Der Dialog zwischen Solist und Orchester wirkte dabei bemerkenswert ausgewogen – genau so, wie Liszt dieses Konzert eigentlich gedacht hat.
Nach der Pause dann Beethovens Siebte. Für viele seine unmittelbarste und rhythmisch packendste Symphonie. Tjeknavorian ließ das Werk mit großer Energie und klaren Konturen entstehen, ohne dabei die Details aus den Augen zu verlieren. Besonders das berühmte Allegretto entwickelte eine eindringliche Ruhe, während das Finale mit enormem Zug und Präsenz musiziert wurde.
Beeindruckend war dabei auch die Leistung des Orchestra Sinfonica di Milano, das mit großer Homogenität, Präzision und Spielfreude auftrat. Man merkt, warum dieses Orchester mittlerweile zu den renommiertesten Klangkörpern Italiens zählt.
Entsprechend fiel auch die Reaktion des Publikums aus: langer, begeisterter und vollkommen verdienter Applaus für Solist, Dirigent und Orchester. Ein Konzertabend, der noch einige Zeit nachklingt.