09/06/2026
«Und ja, springen muss man immer wieder einmal.»
Ich bin mit einer klaren Vision beim Tauchen angetreten. Als ich tauchen lernen wollte, wollte ich nicht einfach den Tauchschein ergattern. Nein, ich wollte Tauchlehrerin werden. Das war mein Plan.
Dafür habe ich einiges in Kauf genommen. Ausbildungen im Nassanzug im Zürichsee. Eis am Uferrand. Später habe ich bei Dive Asia in Thailand als Divemaster gearbeitet.
Springen braucht Mut. Den Mut, das zu machen, was einem persönlich wichtig ist. Sein Leben so zu gestalten, dass es zum eigenen Gipfel und zum eigenen Erfolg passt.
«Und ja, springen muss man immer wieder einmal.»
Ich bin als Tauchlehrerin angetreten. Und ich hatte einige Erlebnisse während meiner Unterrichtsstunden, bei denen ich Verantwortung für das Wohlergehen meiner Schützlinge mitgetragen habe.
Obwohl sie unterschrieben hatten, dass sie eigenverantwortlich für ihr Verhalten sind, musste und durfte ich sie retten. Meine Entscheidung.
Eine Erfahrung darunter war eine ganz besondere. Sie hat mir aufgezeigt, wie Menschen unterwegs sein können. Verantwortungslos. Risikobereit. Und damit andere in Gefahr bringend.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich jemanden bei einer unkontrollierten Handlung stoppen musste. Runterholen. Das Jacket entleeren, um mit ihm kontrolliert aufzusteigen.
Oben an der Oberfläche kam die Aussage:
«Was ist denn los? Was war denn da?»
Hm. Gute Frage.
Vielleicht sollte sich jeder von Zeit zu Zeit selbst fragen:
Was war denn da?
Für mich war klar, dass dies einer dieser Momente war, in denen es innerlich geknirscht hat. Ein Moment, in dem ich mich ehrlich hinterfragt habe.
Möchte ich das?
Möchte ich tagtäglich mit Menschen im Wasser sein, die zum Teil unverantwortlich handeln und dadurch andere in Gefahr bringen?
Ich habe mich entschieden, einen anderen Weg zu gehen.
Nicht, weil ich gescheitert bin.
Nicht, weil ich die Freude verloren habe.
Sondern weil ich erkannt habe, dass Erfolg nicht immer bedeutet, etwas um jeden Preis weiterzuführen.
Manchmal zeigt sich Erfolg genau dort, wo man den Mut hat, an einer Weggabelung stehen zu bleiben und sich bewusst für sich selbst zu entscheiden.
Auch wenn das bedeutet, einen Weg zu verlassen.
Auch wenn das bedeutet, auf den nächsten Karriereschritt zu verzichten.
Denn Erfolg ist nicht nur das Erreichen eines Ziels.
Erfolg ist auch die Ehrlichkeit, sich selbst gegenüber einzugestehen, wenn ein Weg nicht mehr der eigene ist.
Und die Freiheit, sich neu zu entscheiden.
Die Freude am Tauchen ist geblieben. Und wenn immer ich die Gelegenheit habe, gibt es einen Deep Dive oder einfach wieder einmal den Kopf unter Wasser.
Manche Erfahrungen begleiten uns ein Leben lang.
Unter Wasser genauso wie auf unserem persönlichen Erfolgsgipfel.