28/01/2026
Willkommen im großen Maskenball der menschlichen Existenz – wo das „Wie geht’s?“ eine rhetorische Drohung ist und die Antwort „Muss ja“ als tiefe philosophische Abhandlung gilt.
Hier ist ein kleiner Streifzug durch unser tägliches Schmierentheater:
1. Das Design-Modell „Dauergrinsen“
Wir tragen sie alle: diese wunderbar unbequeme Maske des toxischen Optimismus. Sie ist festgetackert mit feinstem digitalen Kleber (auch bekannt als Instagram-Filter). Darunter sieht es zwar oft aus wie in einem verlassenen U-Bahn-Schacht bei Neumond, aber nach außen strahlen wir, als hätten wir gerade die Erleuchtung im Sonderangebot bei Hofer geschossen.
Die Funktion: Verhindert lästige Nachfragen von Mitmenschen, die eigentlich auch nur ihre eigene Fassade polieren wollen.
Der Nebeneffekt: Gesichtslähmung und die Unfähigkeit, echte Freude von einer gut platzierten Marketing-Kampagne zu unterscheiden.
2. Die Weltanschauung aus dem Kaugummi-Automaten
Dann wäre da noch unsere wunderbar verdrehte Weltsicht. Wir leben in einer Zeit, in der „meine Wahrheit“ wichtiger ist als „die Realität“. Fakten sind mittlerweile eher so etwas wie Serviervorschläge – man kann sie nutzen, muss aber nicht.
Wir basteln uns ein Weltbild aus drei TikTok-Videos und einem hängengebliebenen Podcast-Snippet zusammen und nennen das dann „kritisch hinterfragen“. Es ist faszinierend: Wir halten uns für die Hauptdarsteller in einem epischen Blockbuster, während wir in Wahrheit nur Statisten in einer Excel-Tabelle sind.
3. Emotionen als Währung
Echte Gefühle sind heute so retro wie Faxgeräte. Stattdessen nutzen wir aufgesetzte Emotionen als soziale Währung. Wir sind „schockiert“ (für ca. 3 Sekunden), „zutiefst berührt“ (bis zum nächsten Scrollen) oder „empört“ (solange der Akku reicht).
Wir haben die Empathie so weit optimiert, dass sie perfekt in eine Story-Caption passt. Wenn das Herz nicht im Takt des Algorithmus schlägt, ist es dann überhaupt ein Herz? Oder nur eine Pumpe für den nächsten Adrenalin-Kick durch externe Bestätigung?
Fazit: Vorhang auf!
Am Ende des Tages ziehen wir uns in unsere dunklen Zimmer zurück, legen die Maske auf den Nachttisch und starren an die Decke. Und was machen wir als Erstes? Wir greifen zum Handy, um zu sehen, ob jemand anderes seine Maske heute schöner getragen hat als wir.
Applaus, Applaus für diese großartige Performance!
Jef Samaroon