11/09/2026
Wissen wird gerade immer billiger.
Klingt ziemlich provokant für jemanden, der einen guten Teil seines Lebens damit verbringt, Wissen zu vermitteln. Aber es stimmt: Ich kann heute nahezu alles in Sekunden nachschlagen.
Wie funktioniert diese Einstellung in Photoshop? Ich frage ChatGPT. Wie baue ich das in InDesign? Das schaue ich mir auf YouTube an. Welches Dateiformat brauche ich? Google wird es wissen.
Wissen war noch nie so leicht verfügbar. Eigentlich großartig. Aber was passiert dann mit denen, deren Beruf bisher darin bestand, mehr zu wissen als andere?
Trainer zum Beispiel. Oder Experten. Oder Designer.
Eine interessante Frage, denn ich merke regelmäßig in meinen Trainings: Die wertvollsten Momente entstehen nicht, wenn ich erkläre, wo ein bestimmter Button ist. Sondern eher bei Sätzen wie:
»Ich würde das so nicht machen.«
Warum nicht?
Und jetzt wird es interessant: Denn nun reicht Wissen nicht mehr – jetzt geht es um Erfahrung.
Erfahrung sagt mir nicht nur, wie etwas funktioniert. Sie sagt mir, wann ich es einsetzen würde. Und wann nicht. Sie sagt mir, welche der fünf technisch richtigen Lösungen wahrscheinlich die beste ist. Und wo später ein Problem entstehen könnte, welches im Moment noch niemand sieht. Und manchmal sagt mir die Erfahrung auch einfach: Lass es!
Das kann man schwer googeln. Und auch nicht so einfach lernen, weil Erfahrung eine »unangenehme« Eigenschaft hat: Sie braucht Zeit.
Ich beschäftige mich seit mehr als 25 Jahren professionell mit Gestaltung und Adobe-Programmen. Und natürlich weiß ich heute mehr darüber als am Anfang.
Viele Jahre, um auch mehr falsch zu machen. Mehr auszuprobieren. Mehr zu verwerfen. Mehr Dateien zu sehen, bei denen irgendetwas furchtbar schiefgegangen ist. Mehr Zeit in Lösungen zu investieren, die eigentlich funktionieren hätten sollten. Es aber nicht taten. Nur um irgendwann über die eigentliche Lösung zu stolpern.
Das alles ist kein Wissen. Es ist Erfahrung.
Und je leichter Wissen verfügbar wird, desto weniger reicht es, etwas einfach nur zu wissen. Wir müssen es einordnen können. Es beurteilen, hinterfragen und auf einen konkreten Fall übertragen können. Und manchmal dem eigenen Wissen misstrauen.
Gerade heute in Zeiten von Internet und KI sehen wir noch deutlicher und brutaler: Wissen und Können war noch nie dasselbe. Und Erfahrung schon gar nicht.
Das gefällt mir eigentlich. Denn Maschinen dürfen ruhig immer mehr wissen und können. Oder Programme. Das unterrichte ich sowieso, wie man die optimal bedient.
Aber die interessantere Frage ist: Wie wenden wir dann dieses Wissen an?