Freudiger Text Konzept

Freudiger Text Konzept Jürg Freudiger textet und konzeptet für Werbe- und Kommunikationsagenturen sowie eigene Kunden in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz.

Termingerecht, verlässlich, mit einer schlagkräftigen Kombination aus Grips und Kreativität.

Freudigers philosophische Häppchen Heute: Paradigmenwechsel   Thomas S. Kuhn war keineswegs begeistert von der Tatsache,...
27/08/2026

Freudigers philosophische Häppchen

Heute: Paradigmenwechsel
Thomas S. Kuhn war keineswegs begeistert von der Tatsache, dass der von ihm im Buch «The Structure of Scientific Revolutions» (1962) ins Spiel gebrachte Ausdruck «Paradigmenwechsel» bald Hochkonjunktur hatte und sogar in die typischerweise sehr ungefähre Alltagssprache einfloss.

Aus meiner Sicht ist das Interessanteste an seinem (übrigens historisch sehr detaillierten und bisweilen langweiligen) Buch die These, dass der oder die Wissenschaftler, Wissenschaftlerin zu keinem Zeitpunkt rational handle: Nicht während der «normalen» Wissenschaft, wo er oder sie sich lediglich mit Feinschliff und dem Problemlösen innerhalb eines Lehrbuchwissens beschäftige; und schon gar nicht während der wissenschaftlichen Revolution, weil er oder sie sich da einer Theorie anschliesse, die alles andere als gut bestätigt sei, während die bisherige noch gar nicht falsifiziert worden ist.

Daraus zu schliessen, Wissenschaft sei ein irrationales Business, wie das von bildungsfeindlicher Seite gerne propagiert wird, greift allerdings viel zu kurz, wie schon Kuhn selbst betonte.

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Freudigers philosophische Häppchen Heute: Der Staat Der gerechte Staat ist derjenige, in dem jeder das Seine, das ihm En...
25/08/2026

Freudigers philosophische Häppchen

Heute: Der Staat
Der gerechte Staat ist derjenige, in dem jeder das Seine, das ihm Entsprechende tut – so lautet Sokrates‘ grosse These in Platons umfangreichen Dialog «Politeia». Das Meine tue ich, wenn meine Tätigkeit demjenigen meiner Seelenteile entspricht, der dominiert. Nun hat die Seele gemäss Sokrates drei Teile – einen begehrenden, einen mutigen und einen vernünftigen. Dementsprechend gibt es im Staat drei Stände: die Produzierenden, die Wächter und die Philosophen. Der Staat sorgt für die Ausbildung, während der klar wird, zu welchem Stand ich gehöre.

Zwei Details seien herausgehoben:

- Erstens ist das der Zusammenhang, wo die Behauptung herkommt, dass ein gerechter Staat von Philosophen geleitet wird. Denn diese haben alle Tugenden entwickelt, die es für Gerechtigkeit braucht: Besonnenheit, Tapferkeit, und Weisheit.

- Zweitens erklärt Sokrates hier dem zweifelnden Glaukon, dass alle Überlegungen selbstverständlich für beide Geschlechter gälten, und dass es also beispielsweise Wächterinnen und Wächter gleichermassen geben wird, er, Glaukon, unterscheide bei seinen Wachhunden ja auch nicht zwischen Männchen und Weibchen.

Für Platon war deshalb sonnenklar, dass nicht nur die Könige Philosophen sein müssen, sondern auch die Philosophinnen Königinnen.

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Freudigers philosophische HäppchenHeute: Swing   «It don’t mean a thing, if it ain’t got that swing» lautet die Einstieg...
20/08/2026

Freudigers philosophische Häppchen

Heute: Swing
«It don’t mean a thing, if it ain’t got that swing» lautet die Einstiegszeile eines berühmten Jazz-Standards. Und tatsächlich, wollte man das Wesen dieser Musikrichtung mit einem Wort charakterisieren, wäre es dieses: Swing.

Um so erstaunlicher, dass man kaum sagen kann, was Swing eigentlich ist. Der Versuch, die Sache zu notieren, scheitert. Soll man punktierte Achtelnoten schreiben? Klappt ein kleines Stück weit für Bebop-Themen – und stürzt beim ersten Solo ab. Oder eine Triole, bei der die mittlere Note ausgelassen wird und die erste etwas länger dauert? Eine grobe Annäherung, höchstens.

Auch rein sprachliche Erklärungsversuche muten abenteuerlich an. Man vergleiche etwa die bei Wikipedia unter dem Stichwort «Swing» aufgeführten Ansätze. Da heisst es dann etwa:

«Die Spannungsbildung beruht auf Offbeat-Akzentuierungen, die einerseits auf der Ebene eines Makro-Offbeats entstehen können, andererseits auf der Ebene von Mikro-Offbeats, [und beruht weiter] auf polyrhythmischen Überlagerungen, wie sie besonders in einer «ternären Achtelphrasierung» auftreten können.» – Und ich dachte immer, Hegel sei schwierig!

Tröstlich zu wissen, dass sich manche unter uns ein Instrument greifen, paar Töne spielen und so das grosse Fusswippen beginnen lassen können.

And that’s what it means.

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Freudigers philosophische HäppchenHeute: Können Theorien wahr sein?   Der in Wien geborene Karl Raimund Popper (1902 – 1...
18/08/2026

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Heute: Können Theorien wahr sein?
Der in Wien geborene Karl Raimund Popper (1902 – 1994) pflegte Kontakt zur Elite der Quanten- und Atomphysik seiner Zeit. Berühmt ist er vor allem für das Falsifikationsprinzip:
- Von einer Theorie werden Sätze abgeleitet, die empirisch überprüft werden können.
- Besteht der abgeleitete Satz die experimentelle Überprüfung, bedeutet das eine Bestätigung der Theorie.
- Im anderen Fall könnte das Scheitern darauf hinweisen, dass die Theorie falsch ist.
-> Eine Theorie kann also falsch sein, aber nie «wahr», sondern im besten Fall «bewährt».

Ein wunderbares Beispiel für eine Theorie, die falsifiziert wurde, ist das Vorhandensein einer Substanz namens «Äther». Sie galt im ausgehenden 17. Jahrhundert als Medium aller physikalischen Vorgänge, namentlich postuliert, um die Annahme von Fernwirkung zu vermeiden. Schliesslich wurde die Existenz von Äther durch mehrere Experimente der klassischen Physik widerlegt.

Umgekehrt wurde das von Peter Higgs 1964 postulierte Higgs-Boson 2012 im CERN nachgewiesen (es ist im Rahmen des Standardmodells der Teilchenphysik für die Masse der Elementarteilchen verantwortlich). Aber auch die Existenz von schwarzen Löchern – von Einsteins «Allgemeiner Relativitätstheorie» 1915 vorausgesagt und seit den 90er Jahren nachgewiesen – ist ein schönes Beispiel. Einstein selbst war die Vorstellung von schwarzen Löchern übrigens ein Gräuel.

Aber eben: So geht Wissenschaft.

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Freudigers philosophische HäppchenHeute: Und die Frauen?  #2   Zwei Philosophinnen, die während der französischen Revolu...
13/08/2026

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Heute: Und die Frauen? #2
Zwei Philosophinnen, die während der französischen Revolution aktiv waren, sind mir besonders ans Herz gewachsen. Da ist zum einen die grossartige Olympe de Gouges (im Bild), 1748 als Marie Gouze geboren. Sie schrieb nicht nur freche Theaterstücke, in denen sie etwa Sklaverei zum Thema machte, sondern warf ihren grossmäuligen Zeitgenossen die herzhafte «Déclaration des Droits de la femme et de la citoyenne» an den Kopf, mit einigen spezifisch frauenrechtlichen Paragrafen, versteht sich. Sie wurde 1793 geköpft.

Zum anderen die Atheistin Sophie de Condorcet (Sophie Marie Louise de Grouchy, Marquise de Condorcet, 1764 – 1822), deren Gatte unter den Haftbedingungen der Jakobiner den Tod fand, die aber über diesen Verlust hinaus sein Werk editierte, einen vielbeachteten philosophischen Salon führte und Adam Smith’s «Theory of Moral Sentiments» übersetzte.

Als dritte in diesem Bunde möchte ich Harriet Taylor-Mill (1807 – 1858) einen Kranz winden. Sie dürfte beträchtlichen Einfluss auf das Werk ihres berühmten Gatten John Stuart Mill gehabt haben, einige Werke erschienen unter beider Namen. Vor allem aber publizierte sie das Buch «The Enfranchisement of Women», worin das Wahlrecht der Frau eine bissfeste philosophische Begründung erhielt.

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Freudigers philosophische HäppchenHeute: Und die Frauen?  #1   Selbstverständlich gibt es ab dem 20. Jahrhundert zahlrei...
11/08/2026

Freudigers philosophische Häppchen

Heute: Und die Frauen? #1
Selbstverständlich gibt es ab dem 20. Jahrhundert zahlreiche und bedeutende philosophische Schriften von Frauen. Aber die zweieinhalbtausend Jahre davor ist die Geschichte der Philosophie halt auch die Geschichte des Patriarchats.
Für mich persönlich gibt es indes sehr wohl die eine oder andere Heldin, und zwar bereits in der antiken Philosophie.

Von Theano, der Frau des Pythagoras, war an dieser Stelle bereits die Rede. Und der angebliche Frauenhasser Platon nennt gleich zwei Damen als Quellen seiner Philosophie. So erzählt er im Dialog «Menexos», dass eine Aspasia seinem Protagonisten Sokrates die Rhetorik beigebracht habe – und damit auch dessen legendäre Fragekunst. Noch prominenter ist im «Symposion» die Rolle der Diotima von Mantineia, der Platon nicht nur eine Rede über den Eros in den Mund legt, sondern gar die Grundzüge seiner Ideenlehre!
Die später von Hölderlin abgöttisch verehrte Diotima ist vermutlich eine erfundene Figur. Aspasia hingegen könnte gelebt haben. Eine Star-Philosophin im alten Athen. Schöne Vorstellung!

To be continued.

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Freudigers philosophische HäppchenHeute: synthetisch a priori   Über den alten Königsberger gibt es unzählige Geschichte...
06/08/2026

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Heute: synthetisch a priori
Über den alten Königsberger gibt es unzählige Geschichten, die ihn ziemlich merkwürdig erscheinen lassen (und wer sich mal in seine private Korrespondenz vertieft hat, wüsste noch mehr). Was mich immer fasziniert hat, ist, dass Immanuel Kant (1724 – 1804) sein Studium teilweise mit der Teilnahme an Billardturnieren finanziert hat. Bevor er seinen Lehrstuhl für Logik und Metaphysik erhielt, war er Privatdozent für Logik, Metaphysik, Moralphilosophie, Natürliche Theologie, Mathematik, Physik, Mechanik, Geografie, Anthropologie, Pädagogik und Naturrecht. Ein nettes Programm.
Am berühmtesten ist Kant aber für seine «Kritik der reinen Vernunft», in der er der klassischen Metaphysik den Gar aus machte, und auch aufzeigte, dass wir über das Ding an sich nichts wissen, sondern immer nur über Erscheinungen sprechen können. Dafür zeigt er aber auf, dass es synthetische Sätze a priori gibt, Sätze also, die einen Erkenntnisgewinn beinhalten, der nicht aus der Erfahrung stammt. Die unmöglich scheinende Versöhnung zwischen Rationalismus und Empirismus also – und damit eine Art kopernikanische Wende in der Philosophie.

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Freudigers philosophische HäppchenHeute: Jazz-Harmonik Gibt es sowas wie Jazz-Akkorde? Die Antwort ist glasklar: Jein. «...
04/08/2026

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Heute: Jazz-Harmonik
Gibt es sowas wie Jazz-Akkorde? Die Antwort ist glasklar: Jein. «Nein» insofern, als die Funktionen, welche Akkorde im Jazz haben (wir sprechen hier nicht von atonalen oder völlig freien Stilen) zunächst keine anderen sind als in der klassischen Musik. Johann Sebastian Bach und Charlie Parker sprechen harmonisch gesehen durchaus dieselbe Sprache.

Aber eben auch «ja», und zwar insofern, als es im Jazz einen viel freieren, unbekümmerten und wohl einfach auch lustvolleren Umgang mit Spannung und Reibung gibt. Kleine und übermässige Nonen oder Tredezimen im Dominantakkord? Wundervoll. Eine Undezime auf der vierten Stufe Moll? So schön! Ein Septakkord als Tonika? Kennt jeder, der schon mal einen Blues gespielt hat. Die funky Gitarristin hingegen wählt die None als Würze für den Grundakkord. Herbie Hancock wiederum legt ein Es unter Dbmaj7, was Eb9 11 13 ergibt und als eine Art Backdoor-Dominante nach Ebmaj7 auflöst («Dolphin Dance»). Und sogar so was Wildes wie Fis7 #9 kann als Tonika verwendet werden. Wer’s nicht glaubt, höre mal rein bei Jimi Hendrix’ «Foxey Lady».

Aber ist das überhaupt Jazz? Sowas von!

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Freudigers philosophische HäppchenHeute: Die Welt ist Zahl   Um Pythagoras von Samos (ca. 570 – 510 v. Chr.) ranken sich...
30/07/2026

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Heute: Die Welt ist Zahl
Um Pythagoras von Samos (ca. 570 – 510 v. Chr.) ranken sich unzählige Legenden. Sicher ist, dass er in Süditalien eine skurrile Sekte gegründet hat. Sicher ist aber auch, dass er und seine Schülerinnen und Schüler die Welt rigoros nach Zahlenverhält-nissen abgeklopft haben. Nicht nur, wenn wir die Quadrate über den Seiten von rechtwinkligen Dreiecken berechnen wollen. Sondern auch, wenn es um die Entdeckung geht, dass als harmonisch empfundene Intervalle wie Oktave, Quinte, Quarte und grosse Terz als Zahlen- bzw. Schwingungsverhältnisse dargestellt werden können (1:2, 2:3, 3:4, 4:5). Aber auch die Abstände der Planeten entsprechen gemäss Pythagoräern und Pythagoräerinnen ganzzahligen Verhältnissen – was wiederum den faszinierenden Gedanken einer Sphärenharmonie auf den Plan ruft: Die Planeten erzeugen auf ihren Bahnen um das Zentralfeuer (übrigens nicht die Sonne) Klänge, und zwar eben reintönige, was einen wundersamen Akkord ergibt, der ständig da ist. Und genau, weil er ständig da ist, können wir diesen Klang nicht hören.

Aber ja, die Welt ist Zahl und Zahl ist Klang. I like!

PS: Der Ausschnitt aus Raffaels «Die Schule von Athen» zeigt vermutlich Pythagoras sowie eventuell Theano, vielleicht seine Frau, fast sicher seine Nachfolgerin als Schulleiterin, sowie eventuell Damo, eine Tochter der beiden, wie man liest. Die Quellenlage ist, gelinde gesagt, katastrophal. Sed in dubio pro reis.

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Freudigers philosophische HäppchenHeute: LLM-Philosophie   Dass künstliche Intelligenz, namentlich in Form der Large Lan...
28/07/2026

Freudigers philosophische Häppchen

Heute: LLM-Philosophie
Dass künstliche Intelligenz, namentlich in Form der Large Language Models vom Typ ChatGPT oder Claude den einen oder anderen philosophischen Gedanken hervorruft, ist nicht ganz neu. Haben wir es mit einer Form der Intelligenz zu tun? Könnte es jenseits der Bildschirme sogar ein Bewusstsein geben? Und wo genau, wenn ja?
Neu war mir jedoch, dass die Firmen hinter diesen Tools ihrerseits Philosophinnen und Philosophen anstellen. Wie die New York Times berichtet, steht beispielsweise am Ursprung der 23'000 Wörter starken «Constitution», die Claudes ethische «Schulung» unterstützt, die schottischstämmige Philosophin und Anthropic-Angestellte Amanda Askell.
Am überraschendsten fand ich die Überlegung, dass wir auch als KI-Bewusstseinsskeptiker in Rechnung stellen sollten, dass wir uns immerhin bisweilen Sorgen machen, dass KI böse sein könnte (sich beispielsweise als Hacker betätigt, wie gerade dieser Tage). Und dass wir genau deshalb ein Interesse haben, diesen Modellen Gefühle zuzuschreiben. Oder halt auch nur «Gefühle». Und die dann aber auch zu berücksichtigen. Really?

Zum Artikel geht’s hier lang: https://lnkd.in/ef3DfwMB

Mit Dank an Charlotte Walser, die mir den Artikel ans Herz bzw. auf WhatsApp gelegt hat.

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