28/10/2025
RECHERCHIEREN MÜSSTE MAN KÖNNEN, LIEBER KOLLEGE
«Warum heisst die Chüngeliinsel eigentlich Chüngeliinsel?» An dieser einfachen Frage scheiterte neulich ein angeblich intelligenter künstlicher Kollege kläglich.
Für Lesende, die nicht mit der Region hier vertraut sind: Es handelt sich um eine kleine Erhebung auf der St. Petersinsel im Bielersee, die eigentlich gar keine Insel ist (aber davon später); und «Chüngeli» heisst im lokalen Idiom «Kaninchen».
Kollege ChatGPT erging sich in wildesten Spekulationen und Vermutungen über wilde Kaninchen und wie sie auf die vermeintliche Insel gekommen sein könnten. Ausserdem sei die Population inzwischen verschwunden und im Übrigen gehöre die Insel heute dem Herrn Soundso. Rubbish!
Was Wortstatistik halt nicht erfassen kann, ist ein Zusammenhang zwischen der Juragewässerkorrektion, Jean-Jacques Rousseau und – eben – Kaninchen.
Es ist so: Mein alter Kumpel Jean-Jacques hat im Herbst 1765 ein paar (übrigens glückliche) Tage auf der St. Petersinsel verbracht (bis er von der Berner Regierung, der dieser Wirrkopf viel zu revolutionär war, vertrieben wurde). Auf der wunderhübschen Nachbarinsel, nur ein paar Quadratmeter gross, setzte er Kaninchen aus, eine kleine Population, die sich durchaus einen Moment lang gehalten hat. Seit da nennen die Einheimischen das kleine Eiland «Chüngeliinsel».
Etwas mehr als hundert Jahre später kam es zur so genannten Juragewässerkorrektion. Superkomplizierte Ingenieurskunst, aber der hier wesentliche Punkt besteht darin, dass die Aare per Kanal in den Bielersee und vor allem aus diesem wieder hinausgeleitet wurde. Dadurch wurden nicht nur viele Überschwemmungen im «Grossen Moos» und am weiteren Lauf des Flusses vermieden, sondern insbesondere auch der Pegel des Bielersees um zweieinhalb Meter gesenkt. Wodurch wiederum die beiden Inselchen zu einer einzigen wurden und sich eine Landverbindung nach Erlach ergab – eine Halbinsel entstand.
Sie heisst bis heute ganz offiziell St- Petersinsel, obwohl sie keine ist, und die kleine Erhebung ist nach wie vor die Chüngeliinsel. Gehören tut das Ganze übrigens der Burgergemeinde Bern.
Was wir daraus lernen können?
Dass ein menschliches Gehirn Zusammenhänge erkennen kann, die in der Wortstatistik nicht erscheinen, und dass es daher der so genannten künstlichen Intelligenz beziehungsweise den Large Language Models nach wie vor himmelweit überlegen ist.
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Ich weiss einen.
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