09/06/2026
Zypern wird bald sehr laut - Macht euch bereit in Zypern!
Alle vier Jahre wird unsere Insel deutlich lauter. Und dieser Moment steht wieder unmittelbar bevor…
Nein, es ist nicht das größte Panigiri aller Zeiten. Es ist auch kein Hochzeitskorso. Und auch nicht so, dass plötzlich alle Hunde der Nachbarschaft gleichzeitig beschlossen hätten, noch hektischer als sonst zu bellen.
Es ist ein Lärm, der den ganzen Sommer über von Balkon zu Balkon, durch offene Fenster und über Terrassen hinweg zu hören sein wird. Jubelschreie hallen durch die Straßen. Ein Stöhnen folgt aus der Nachbarwohnung. Und ehe man sich versieht, feiern, leiden und diskutieren ganze Viertel gemeinsam.
Ja, Sie haben es erraten:
Die Fußball-Weltmeisterschaft steht vor der Tür. Und sie kommt auch nach Zypern!
Als fußballbegeisterte Nation sind wir natürlich mit vollem Herzen dabei. Untersuchungen zeigen, dass 77 Prozent der Männer auf der Insel einen Fußballverein unterstützen und fast acht von zehn Menschen sich für den Sport interessieren.
Auch wenn Zypern selbst die Qualifikation nicht geschafft hat – Wunschdenken hin oder her – und selbst unser traditioneller Favorit Griechenland diesmal nicht dabei ist, wird uns das natürlich nicht davon abhalten, mitzufiebern.
Irgendwo zwischen dem Eröffnungsspiel und dem Finale wird jeder von uns eine Mannschaft finden, die er unterstützt – und dies der gesamten Nachbarschaft lautstark mitteilen!
Denn es geht nicht nur um Fußball. Es geht um die Weltmeisterschaft – das größte Sportereignis der Welt!
Zwei Monate voller Hoffnung, Enttäuschungen und fragwürdiger Schiedsrichterentscheidungen. Eine Zeit, in der plötzlich Menschen auf der ganzen Insel zu glühenden Anhängern von Nationen werden, die sie zuvor kaum auf einer Landkarte gefunden hätten.
Ein Buchhalter aus Larnaka wird tieftraurig über das Ausscheiden Uruguays sein.
Eine Friseurin in Nikosia wird sich leidenschaftlich für das Abschneiden Japans begeistern.
Eine Familie in Limassol wird drei Wochen lang jedem erklären, dass England diesmal ganz sicher Weltmeister wird. (Kleiner Hinweis: Das sagen sie jedes Mal.)
Und ein Schiedsrichter in Mexiko wird von einem Balkon in Strovolos lautstärkere Ratschläge erhalten als von seinem gesamten Trainerstab.
Dabei braucht Zypern eigentlich gar keinen besonderen Anlass, um laut zu sein.
Erst im vergangenen Jahr zeigte eine Untersuchung der Europäischen Umweltagentur, dass Zypern offiziell das lauteste Land Europas ist. Rund 49,2 Prozent der städtischen Bevölkerung sind übermäßigem Verkehrslärm ausgesetzt – mehr als doppelt so viele Menschen wie im EU-Durchschnitt.
Ehrlich gesagt hätte man sich diese Studie auch sparen können. Jeder, der schon länger als fünf Minuten auf der Insel verbracht hat, weiß, dass wir ein Land der bellenden Hunde, aufheulenden Motorräder, Kirchenglocken, Straßenarbeiten, Hochzeitskorsos und lautstark durch die Straßen fahrenden Lieferwagen sind, die ihre „Patates“ anpreisen.
Und nun kommt noch das Elfmeterschießen hinzu, dessen Jubelrufe durch drei Gemeinden gleichzeitig hallen. Oder die verspätete Feier des Nachbarn, dessen Internetanschluss etwa 45 Sekunden hinter allen anderen liegt. Ganz zu schweigen von den Schmerzensschreien, wenn ein Schiedsrichter eine Entscheidung trifft, die so unverständlich ist, dass plötzlich die halbe Insel darüber nachdenkt, bis 2030 selbst Schiedsrichter zu werden.
Doch fast so plötzlich, wie sie gekommen ist, geht die Weltmeisterschaft auch wieder zu Ende.
Der letzte Jubelschrei verhallt und unsere Fernseher werden wieder etwas leiser. Die Balkone verstummen. Und die Hunde der Insel erholen sich langsam von ihrer allgemeinen Verwirrung.
Zypern kehrt dann wieder zu seinem normalen Zustand zurück – Europas lautestes Land zu sein, anstatt zusätzlich noch mit sich selbst um diesen Titel zu konkurrieren.
Bis zur nächsten Weltmeisterschaft.
Wenn eine Insel, die ohnehin schon für ihre Lautstärke bekannt ist, gemeinsam beschließt, dass sie durchaus noch ein bisschen lauter werden kann.
Quelle: CyprusMail.com (Gastbeitrag)