16/05/2018
Mal wieder was zum Nachdenken:
Macht Botox dumm? - Der Effekt von Botox auf unsere Emotionsverarbeitung
Es ist kaum möglich, sich die heutige kosmetische Chirurgie ohne den Einsatz von Botox zur Reduzierung von Falten vorzustellen. Aktuelle Studien geben jedoch Hinweise darauf, dass der Effekt von Botox weit über den kosmetischen Aspekt hinausgeht und Einfluss auf unser emotionales Erleben nimmt.
Um die Emotionen anderer Menschen besser deuten und verstehen zu können, hilft es uns, deren Mimik zu spiegeln. Die Injizierung von Botox im Gesicht führt zu einer Paralysierung der Gesichtsmuskeln. Dadurch werden zwar Gesichtsfalten reduziert, aber auch die eigene Mimik eingeschränkt. Es fällt schwerer, das Gesicht zu verziehen, die Gesichtsausdrücke des Gegenübers zu spiegeln und somit deuten zu können.
Bisher gibt es kaum Studien, die sich mit dem Zusammenhang von Botox und einer Einschränkung in der Emotionswahrnehmung beschäftigen. Ein italienisches Forscherteam von Baumeister, Papa und Foroni (2016) hat sich mit diesem Zusammenhang auseinandergesetzt und untersucht, wie gut und schnell Frauen vor und zwei Wochen nach ihrer ersten Botoxbehandlung emotionale Sätze und Gesichtsausdrücke verarbeiten.
Die Forscher vermuteten, dass die Verarbeitung und Schnelligkeit der Verarbeitung von leicht emotionalen Sätzen und Gesichtsausdrücken nach der Botoxbehandlung abnimmt, nicht jedoch bei sehr emotionalen Reizen. Bei der Verarbeitung von neutralen Reizen wird keine Veränderung bei der Verarbeitung und Schnelligkeit vor und nach der Behandlung erwartet.
Es zeigte sich, dass Frauen nach der Botox-Behandlung leicht emotionale Sätze und Gesichtsausdrücke schlechter und langsamer verarbeiten konnten, als noch vor ihrer Behandlung. Im Gegensatz dazu zeigten neutrale und stark emotionale Sätze und Gesichtsausdrücke keine Veränderung über die Zeit.
Botox scheint also die Wahrnehmung von Gesichtsausdrücken zu blockieren, wodurch es zu einer langsameren Verarbeitung und Reaktionszeit der emotionalen Reize kommt. Leicht emotionale Reize scheinen von diesem Effekt deutlich stärker betroffen zu sein, als sehr emotionale. Wie lassen sich diese Effekte nun erklären?
Bisherige Studien zeigen, dass unter dem Einfluss von Botox der Teil des Gehirns verlangsamt wird, der für die Verarbeitung von Emotionen verantwortlich ist.
Eine weitere Erklärung könnte sein, dass das Botox nur Teile der Gesichtsmuskeln paralysiert. Leicht emotionale Stimuli werden blockiert, die stärkeren Stimuli können die Schwelle der Paralyse jedoch überschreiten, weshalb die stärkeren Stimuli erfasst werden können, nicht aber die leichten.
Eine Verminderung in der Verarbeitung von leicht emotionalen Stimuli hat weitreichende Konsequenzen für die zwischenmenschliche Kommunikation und bringt Veränderung für das tägliche Leben mit sich. Eine Behandlung mit Botox reduziert also nicht nur die Falten, sondern auch unsere emotionale Wahrnehmung und Verarbeitung und geht bis unter die Haut – und noch weiter.
Quelle:
Baumeister, J. C., Papa, G., & Foroni, F. (2016). Deeper than skin deep–The effect of botulinum toxin-A on emotion processing. Toxicon, 118, 86-90.