12/12/2018
Eine Weihnachts- ähm – Werbegeschichte
frei nach Charles Dickens
Der Geschäftsführer (CEO) der Firma "Ebenezer Scrooge" ist ein hartherziger Geizkragen, wie man ihn wohl kaum ein zweites Mal antrifft. Selbst seinen schon tief angesetzten Werbeausgaben droht er regelmäßig mit Einstellung. Werbung hält er für geld- und zeitverschwendenden Humbug.
In der Nacht zum 25. Dezember jedoch erhält er unerwarteten Besuch. Der Geist seines Vorgängers sucht ihn auf, um ihn vor einem schrecklichen Schicksal zu warnen. Die schaurige Erscheinung ist an eine lange, schwere Eisenkette gefesselt. Jene Kette, die er sich mit seiner Unaufgeschlossenheit für Neues, seiner verlorenen Begeisterungsfähigkeit und seinem Tunnelblick im Unternehmen selbst geschmiedet hat. Sein Vorgänger bietet dem CEO nun eine Möglichkeit sich zu bessern und seine eigene, jetzt noch unsichtbare Kette abzustreifen. Dazu werden ihn drei Geister aufsuchen.
Um ein Uhr Morgens erscheint dem CEO tatsächlich der "Geist der vergangenen Werbung" und nimmt ihn mit auf eine Reise in seine eigene Vergangenheit. Der Geist führt ihm seine glücklichen Lehr- und Studienjahre bei seinem Mentor Mr. Fezziwig vor Augen, der jedes Jahr am Marken- und Imageauftritt seines Unternehmen feilte und deshalb von seinen Kunden und Wettbewerbern stets wahrgenommen wurde und seine Angestellten mit Stolz erfüllte. Der Geist zeigt ihm aber nicht nur angenehme Dinge. Der CEO muss dem Abgang vieler guter Mitarbeiter zusehen, da sein junges Ich inzwischen dem Tagesgeschäft verfallen ist und sein Weitblick für Vermarktung sowie sein Gefühl für Mitarbeitermotivation und Schaffung eines schönen Arbeitsumfeldes nachgelassen haben.
Gerührt und verwirrt kehrt der CEO in sein Schlafzimmer zurück und fällt in unruhigen Schlaf. Doch um Schlag zwei Uhr erscheint ihm der zweite angekündigte Besucher, der "Geist der gegenwärtigen Werbung". Der riesenhafte Geselle führt den CEO durch den Weihnachtstag direkt ins bescheidene Heim seines Vertriebsleiters Peter Müller und seiner Familie, der beim Glas Rotwein mit seiner Frau im Internet nach neuen Herausforderungen sucht. Als er den Geist fragt, ob der Müller denn wirklich gehen wird, antwortet dieser, dass der Vertriebsleiter schon mehrere gute Angebote von so genannten Startups habe und die Firma wohl verlassen werde, wenn sich die Schatten der Zukunft nicht ändern. Danach statten sie dem Neffen des CEO einen Besuch ab. Der freundliche junge Mann, Marketingleiter bei einem erfolgreichen Mittelständler, besucht seinen Onkel immer in der Vorweihnachtszeit und macht ihm Vorschläge, wie er den Auftritt seines Unternehmens im kommenden Jahr verbessern kann, was dieser jedoch bisher immer abgelehnt hat.
Dann ist der Geist verschwunden und der CEO bleibt allein in der Dunkelheit zurück. Kurz darauf aber erscheint der "Geist der zukünftigen Werbung", eine düstere Erscheinung, verborgen von einem schwarzen (Achtung! Werbe-Fuzzis tragen auch gern schwarz) Kapuzenmantel. Der Geist führt ihn zum IHK-Ball der Wirtschaft, wo einige Geschäftsmänner sich über eine kürzlich in Insolvenz geratene Firma lustig machen. Danach führt er den verwirrten CEO in ein heruntergekommenes Gewerbegebiet, wo die letzten Gerätschaften einer Pleitefirma kaum auf Interesse stossen und verramscht werden. Unter den Sachen befindet sich sogar ein Bürostuhl und ein Wandplaner wie er sie auch benutzt. Der CEO fordert Mitgefühl für den Tod dieses Unternehmens ein.
Niedergeschlagen ersucht der CEO den Geist ihn nach Hause zu bringen. Stattdessen aber verlangt der Geist, dass der CEO den Schnee vom Firmenschild fegt. Als er das Logo entziffert, muss er erkennen, dass das Pleiteunternehmen seine Firma ist. Der CEO bricht zusammen und gelobt auf seinen Knien sich zu bessern und das Wort Marketing in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in seinem Herzen zu bewahren.
Am Morgen des 25. Dezembers befindet sich der CEO wieder in seinem Schlafzimmer, als wäre er nie weg gewesen. Über alle Maßen erleichtert springt er durch das Zimmer, voll guter Vorsätze für das „neue Leben der Firma“. Und der CEO wird seinem Schwur vor den Geistern mehr als gerecht. Zunächst schickt er der Werbeagentur, die ihn so nett angesprochen hat, einen riesigen sagen wir mittelgroßen Auftrag zur Entwicklung eines neuen CI (online und offline) und als Festtagsgeschenk an seine Firma verdoppelt er die Marketingausgaben.
Frohe Weihnachten