18/01/2022
Liebe Kommunikationspartner des gepflegten Kurzpassspieles,
ich komme aus kleinen Verhältnissen, ein Nachkriegskind. Plumpsklo im Garten. Handpumpe Küche.
Vier Geschwister. Nach 14 Tagen war das Geld für Lebensmittel knapp. Ich musste mit kleinem Buch zum Kaufmann und anschreiben lassen. Das Geld meines Vaters reichte nicht…
Wir hatten Zuneigung, grenzenlose Liebe und ein Bullerbü-Leben im großen Wald mit kleinem Holzhaus.
Meine Mutter war immer da und übte mit mir oft übertrieben aber immer diszipliniert. Ihr Credo:
„Listen to the better ones“ oft in Englisch, Deutsch und auch Lateinisch.
Als Student in Gießen graste ich die Wiesen im Herbst nach Champignons ab. Zwei kleine Zimmer. Duschen im Sportinstitut.
Es gab abwechselnd Pellkartoffeln und Spaghetti.
Mit der Vermieterin Ulla telefoniere ich noch heute. Das war vor 40 Jahren. Das Zimmer kostete 135 DM Miete im Monat.
Novak Djokovic ist ein Kriegskind. Im Balkan Krieg (1992-2001) saß er oft nächtelang im Keller mit den Eltern und wartete die Bombardierung ab.
Er hat mehrere Brüder, die auch versuchten, sportlich nach vorne zu kommen.
Er hatte als Einziger Talent & diesen unbändigen Willen, Tennis Profi zu werden.
Bio-Mechanisch begnadet, ausgestattet mit Kraft und Energie. Die Eltern unterstützen ihn bedingungslos. Er wurde die Nummer 1 im Tennis. Moment…
Nicht sofort. Er fühlte sich nicht geliebt und gewürdigt; das war immer so, was er auch anstellte.
Die Leichtigkeit eines Roger Federer erreichte er nie. Der schaffte es mit vier Kindern und Ehefrau Tennis Höchstleistungen abzuliefern.
Mit Hingabe und Empathie. Immer auch für die anderen…
Novak versuchte alles: Wie werde ich endlich geliebt von den Fans und anerkannt von den Gegnern.
Erst als Boris Becker ihn 2013 als Trainer übernahm änderte sich das Ganze.
Das werde ich nie vergessen. Der 17jährige Boris wurde immer von den coolen Briten geliebt und ging mit Novak nach Wimbledon.
Dort hatte er Blickkontakt zu seinem Coach und der gab ihm mit dem Publikum den Erfolg von 0,2 Promille Mehrwert, um dann siegen zu lernen.
Das sind die bekannten Zentimeter wie in der berühmten Filmrede von Al Pacino in „Any Given Sunday“, der zu seiner Football Mannschaft spricht. Aber die hatten es in sich.
Novak der ungeliebte, schmalkantige Serbe wurde auf einmal mit und durch seinen Coach Boris Becker nicht geliebt, aber gemocht.
Aber das reichte mit seinem Willen zwischen 2013 und 2016, um 6 Grand Slam Titel zu gewinnen und die Nummer 1 zu werden. Da trennte er sich von Becker und vertraute zunehmend auf Wunderheiler & Mentalartisten. Die Eltern sahen in ihm zusehends eine Gottheit und verloren sich im Nirgendwo.
Es gibt zwei Möglichkeiten im Leben eines jeden:
Was mache ich aus meinen Möglichkeiten im Fokus der (Um-)Welt Reaktion. Djokovic ist ja als die Nummer 1 Vorbild, Modell und Meinungsmacher.
Vor allem in der Öffentlichkeit und vor und mit Jugendlichen ganz besonders.
Djokovic verlor den moralischen ethischen Wert auf seiner Erfolgsspur. Der lautet immer nach dem Kategorischen Imperativ von Kant:
„Handele so, dass die Maxime deines Handels jederzeit als allgemeine Gesetzgebung angewandt werden können.“
Er hat den Rubikon mehr als überschritten. Sage mir, wohin Du wirklich willst, und ich sage Dir, wer Du bist.
Keiner war offenbar in der Lage ihm eine grundsätzliche moralische Verpflichtung ins Stammbuch zu schreiben.
Da helfen auch 50.000 australische Dollar am Tag nicht, um doch noch bei den Australien Open starten zu dürfen.
Hochmut wird zum Irrglauben automatisierter Arroganz. Deren Ableitung nimmt fast immer groteske Entwicklungen an, wenn man nicht bereit ist, sich ständig zu hinterfragen vor allem in Spitzenpositionen: Was kann ich als Vorbild werteorientiert für die Allgemeinheit leisten?
Im Spannungsfeld von Aktion = Reaktion in komplexen Welten. Nicht nur Bei Djokovic.
Auch in der Politik wie bei Ex-Präsident Trump oder dem englischen Lieblingssohn von Königin Elisabeth Prinz Andrew.
Am Ende zählen nur Demut & Dankbarkeit und Zurückgabe des Erreichten und werteorientiert, wie es Pater Anselm postuliert.
Was lernen wir daraus:
Ich kann mein Leben im privaten wie beruflichen Kontext Jahre erfolgreich step-by-step aufbauen und in Sekunden oder acht Tagen vollends verspielen.
Djokovic wird sicherlich weiterhin Tennis spielen und weitere Grand Slams holen. Aber ab sofort wird es ein mentaler und kommunikativer Spießrutenlauf, den er selbst inszeniert hat: Nur er ist dafür verantwortlich und sonst keiner.
Anders gesagt: Wenn ich das richtige Momentum oder den ausgereizten Spannungsbogen verpasse, ist es vollends vorbei.
Da kann dann auch Boris Becker nicht mehr helfen.
Bleiben Sie wachsam.
Ihr Christoph Schwab