24/08/2026
Manchmal erfährt man auf einem Sommerfest mehr über ein Verkehrsunternehmen als in drei Aufsichtsratssitzungen.
Wer ein Verkehrsunternehmen wirklich verstehen will, muss hinter die Kulissen schauen.
Natürlich gehören Gespräche mit Geschäftsführung und Betriebsrat dazu. Natürlich braucht es Kennzahlen, Berichte, Wirtschaftspläne und Strategien.
Aber das reicht nicht. Man muss auch mit den Menschen sprechen, die morgens den ersten Bus vom Hof fahren. Mit denen, die in der Werkstatt versuchen, ein Fahrzeug trotz fehlender Ersatzteile wieder einsatzfähig zu bekommen. Mit denjenigen, die Dienstpläne und Fahrzeugverfügbarkeit jeden Tag aufs Neue zusammenbringen müssen. Manchmal bedeutet das, morgens um vier Uhr auf einem Betriebshof zu stehen. Manchmal erfährt man Entscheidendes in der Raucherecke. Und manchmal eben auf einem Sommerfest.
Deshalb war mein Besuch bei der ICB für mich in zweifacher Hinsicht wichtig: als Frankfurter Verkehrspolitiker – und als jemand, der seit vielen Jahren Verkehrsunternehmen berät.
Die Gespräche haben ein Bild bestätigt, das ich derzeit bei vielen Verkehrsunternehmen erlebe: Der ÖPNV steht 2026 unter einem enormen operativen Druck.
Fahrzeuge werden verspätet geliefert. Ersatzteile fehlen oder haben lange Lieferzeiten. Bestehende Fahrzeuge müssen länger eingesetzt werden. Subunternehmerleistungen müssen organisiert werden. Gleichzeitig müssen Flotten elektrifiziert und Betriebshöfe, Werkstätten und Ladeinfrastruktur an völlig neue Anforderungen angepasst werden. Und während all das passiert, gibt es morgens trotzdem einen Fahrplan, der gefahren werden soll.
Bei der ICB kommt hinzu, dass notwendige moderne Betriebshof- und Werkstattkapazitäten immer noch nicht in zur Verfügung stehen, wie sie für die weitere Entwicklung des Busverkehrs dringend gebraucht werden.
Was ich bei meinem Besuch aber ebenso wahrgenommen habe: viel Engagement und eine erstaunlich große Verbundenheit mit dem eigenen Unternehmen. Das Sommerfest war sehr gut besucht. Die Gespräche waren offen, interessiert und keineswegs von der negativen Grundstimmung geprägt, die man angesichts der Probleme vielleicht erwarten könnte.
Das gehört für mich ebenfalls zu einem ehrlichen Gesamtbild. Denn weder Politik noch Beratung sollten Verkehrsunternehmen von außen erklären, wie ihr Betrieb funktioniert.
Wir müssen zuhören. Vor Ort. Auf allen Ebenen.
Erst aus Geschäftsführung, Arbeitnehmervertretung, Werkstatt, Fahrdienst und eigener Beobachtung entsteht ein Bild, auf dessen Grundlage man vernünftige Entscheidungen treffen kann.
Und vielleicht ist das 2026 wichtiger denn je: Verkehrsunternehmen brauchen bei berechtigter kritischer Begleitung gleichzeitig Politik und Partner, die verstehen, unter welchen Bedingungen sie derzeit arbeiten – und ihnen helfen, die strukturellen Probleme zu lösen.
Wer ÖPNV verbessern will, muss zuerst verstehen, was jeden Morgen nötig ist, damit er überhaupt fährt.