10/06/2026
Ein Anker mitten in der Stadt
Manchmal beginnt eine gute Idee mit einer Erinnerung, die man niemals ganz loswird.
Denis Hainc weiß noch genau, wie es sich anfühlt, ausgegrenzt zu werden. Als Kind wurde er gemobbt, körperlich angegriffen und gedemütigt. Erfahrungen, über die viele Betroffene auch Jahre später nur schwer sprechen können. Denis spricht offen darüber. Vielleicht auch deshalb, weil daraus der Wunsch entstand, Kindern heute das zu geben, was ihm damals oft fehlte: einen sicheren Ort.
Der 33-Jährige, zweifache Vater und beruflich im Metallbau tätig, hat die Ankerwache gegründet. Die Idee dahinter ist einfach und wirkungsvoll: Geschäfte, Einrichtungen oder Cafés kennzeichnen sich mit einem Anker-Aufkleber als Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die sich bedrängt, verfolgt oder unsicher fühlen.
Reingehen dürfen. Durchatmen dürfen. Hilfe bekommen – manchmal durch einen geschützten Raum, ein paar nette Worte, ein Telefonat oder einfach ein Glas Wasser.
Und offenbar trifft genau das einen Nerv. Innerhalb kurzer Zeit haben sich bereits zahlreiche Geschäfte in Gütersloh angeschlossen. Weitere Anfragen kommen inzwischen auch aus anderen Städten.
Doch Denis denkt längst weiter. Die Ankerwache soll mehr werden als ein Aufkleber an einer Tür. Geplant sind Lernhilfen, Laufpaten für jüngere Schüler und Projekte an Schulen, die Empathie und Miteinander fördern.
Besonders wichtig ist ihm dabei ein Gedanke: Viele Konflikte entstehen dort, wo Menschen wegsehen. Genau das möchte er verändern. Der kleine Anker steht deshalb nicht nur für Schutz, sondern auch für Aufmerksamkeit und Verantwortung.
Uns vom CARL hat dieses Projekt so überzeugt, dass auch wir ein Ankerplatz sein möchten. Den entsprechenden Aufkleber findet ihr ab sofort im Fenster unserer Geschäftsstelle.
📸 Fotos: Magazin Carl