03/06/2023
Was würdest du schreiben, wenn es keiner liest?
Diesen Satz las ich eben gerade auf LinkedIn von Allegra Bob.
Davor hörte ich eine Folge des Ping Pong Podcasts von Rebecca und Jess, den ich diese Woche für mich entdeckt habe. Es ging ums Maskieren bei ADHS.
diagnostik-des-geistes.de schreibt zu diesem Thema:
"ADHS-Maskierung kann auch als “Tarnung” bezeichnet werden. Dies geschieht, wenn jemand mit ADHS versucht, seine Symptome zu verbergen, indem er das Verhalten von Menschen kopiert, die nicht daran leiden. Die Maskierung von ADHS kann für manche Menschen mit ADHS eine Möglichkeit sein, sich in die Gesellschaft einzufügen, Stigmatisierungen zu vermeiden oder sich besser akzeptiert zu fühlen."
Weißt du, ich bin hier so selten aktiv, weil ich mir immer (wieder) einrede, dass es hier nicht interessiert, dass ich glaube ADHS zu haben. Es ist wahrscheinlich auch weniger interessant, wie sich ADHS oder andere mentale Befindlichkeiten bei mir zeigen oder wie ich mich damit fühle.
"Janin, du bist Webdesignerin. Die Menschen wollen/sollen sehen, was du so (beruflich) machst. Welche Zielgruppe du bedienst. Wie sehr du deinen Job liebst. Sie wollen sehen, was eine Website kann/warum sie zu dir kommen sollen."
Ganz ehrlich: Diese innere Dialog macht mich müde. Sicherlich gibt es Tage und Situationen, in denen ich total aufgeregt bin und unbedingt gern mit dir eine Situation/Besonderheit aus meinem Arbeitsalltag teilen möchte.
Ich liebe meine Arbeit. Ich finde es so schön zu beobachten, wie meine Kunden sich in unserer Zusammenarbeit entfalten und wie ihr Wesen und ihre Arbeit auf einmal visuell sichtbar werden.
Wie Websites entstehen, die zielführend sind, denn Interessenten meiner Kunden finden auf der neuen Website ALLES, was für sie relevant ist und sie werden bequem durch die Website geleitet. I love it.
Und doch beschäftigen mich in meinem Alltag andere Themen. Themen, von denen ich denke, dass es unprofessionell (meinen Kunden gegenüber) wirkt, wenn ich sie teile.
Bspw. wenn ich morgens vor meinem Schreibtisch sitze und immer erstmal überfordert bin. Erst bin ich sehr motiviert und voller Elan und wenn ich hier sitze, habe ich einen Blackout. Was ist nochmal dran? Was - so viel? Das sind ja insgesamt 283 Teilaufgaben -puh. Und irgendwie fange ich dann an und komme irgendwann in den Flow. Dann geht's.
Aber so etwas teile ich nicht. Das ist nicht zielführend. Das ist unprofessionell - so erzählt es mir mein Kopf. Das hat NICHTS mit Webdesign zu tun.
Bu****it.
Es betrifft meine Arbeit. Es betrifft mich. Es beeinflusst mein (Arbeits-)Leben.
Deshalb hatte ich den Gedanken, hier auf diesem Kanal mehr zum Thema Mental Health zu schreiben.
So zu schreiben, als würde es NIEMAND lesen.
Ich bin jetzt einfach mal mutig.
Denn einerseits schreibe ich hier diesen Text für mich - denn ich kann prima übers Schreiben reflektieren.
Andererseits habe ich den inneren Drang, meine Gedanken und Worte mit dir und euch zu teilen. Weil dieses Thema wohl doch wichtiger ist, als mein innerer Kritiker versucht zu erzählen.
Frage an dich:
Kennst du das Thema Maskieren? Hast du vielleicht auch (regelmäßig) Situationen, in denen du dich an (vermeintlich) äußere Erwartungen anpasst?