28/04/2023
Healthcare-Kommunikation ist immer kompliziert? Ganz und gar nicht! Heute bei uns im Interview: Constanze Kobell, Übersetzerin für Leichte Sprache. Teil 2
Herzschlag: Wie gehst du vor, wenn du einen Text übersetzt?
Constanze: Hmm... Ich bekomme den Text und dann muss ich ihn erst selbst vollständig verstehen. Wenn etwas unklar ist, frage ich beim Auftraggeber nach. Dann kommt es vor, dass ich die Texte neu strukturieren muss. Eine Wort-für-Wort Übersetzung von verschachtelten Behördentexten ist nicht möglich. Ich muss die Texte manchmal auseinanderpflücken, um einen roten Faden herzustellen. Bei Formularen mache ich z. B. eine Schritt-für-Schritt Anleitung. So wissen die Leser:innen, was sie konkret machen müssen.
Dann übersetze ich. Kommt ein schwieriges Wort, z. B. „Multiple Sklerose“, dann erkläre ich das Wort zuerst einmal. Bei größeren Aufträgen mache ich ein Glossar. Ich versuche aber schwierige Begriffe, wenn möglich, zu vermeiden. Kommen diese Begriffe mehrfach im Text vor oder müssen gelernt werden, erkläre ich sie.
Wenn ich fertig bin, dann bekommt der Auftraggeber die Rohfassung und kann anschließend mit einem Feedback auf mich zukommen. Ich bin, je nach Thema, ja häufig nicht vom Fach. Meine Spezialität ist die Vereinfachung komplexer Sätze nach den Regeln der Leichten Sprache. Bei der Leichten Sprache wird der Text noch zusätzlich von Menschen mit Lernschwierigkeiten geprüft. Das gilt aber nur für die Leichte Sprache, bei der Einfachen gibt es das nicht. Das Gütesiegel mit dem Daumen hoch für Leichte Sprache gibt es nur nach dieser Prüfung.
Herzschlag: Wie gehst du bei Gesetzestexten vor?
Constanze: Bei Dingen, die jemand unterzeichnen muss, ist die Leichte Sprache derzeit nicht so weit, dass sie ein rechtssicherer Ersatz ist. Es gibt aber Forschungsarbeiten zu Gesetzen in Leichter Sprache. Ich mache das so, dass ich eine Erklärung in Leichter Sprache verfasse. Darunter steht ein Hinweis, dass nur der Originaltext rechtsgültig ist.
Herzschlag: Was möchtest du noch zu den Themen Leichte und Einfache Sprache sagen?
Constanze: Mir ist es wichtig, dass man bei Briefen oder Mails, z. B. von Behörden, die wichtigsten Sachen in einfach verständlichen Sätzen ganz am Anfang schreibt. Das ganze Juristische kann auch dahinter. Beim Wohngeld könnte man z. B. am Anfang schreiben „Liebe Frau Müller, Sie bekommen ab dem 5. Januar mehr Wohngeld…".
Herzschlag: Vielen Dank für das Interview mit den spannenden Einblicken in deine Tätigkeit.
Ihr wollt mehr über Constanzes Übersetzungstätigkeit erfahren? Sie hat eine Homepage: www.leichtesprache-kobell.de