10/12/2020
In der Reihe der Jahreskalender mit historischen Motiven aus der Geschichte Offenbachs ist die Ausgabe 2021 fertig geworden.
Diesmal lautet das Thema „Portrait-Photographien aus Offenbacher Ateliers“. Viele kennen sie noch, die Fotos von den Urgroßeltern aus den Familien-Fotoalben. Leicht silbrig schimmernde Schwarzweiß-Bilder auf dicken schwarzen Kartons mit etwas „steif“ wirkenden Menschen. Entstanden sind sie zwischen meist 1880 und 1930, denn erst ab dieser Zeit gab es industriell gefertigte Negativfotoplatten und die Möglichkeit, Abzüge auf Albumin-Papier zu belichten. Das dünne Papier wurde auf dicken Karton aufgeklebt. Die anfangs noch notwendig langen Belichtungszeiten erforderten eine sehr starre Haltung der Portraitierten, teilweise mit Hilfe von Stützen, die möglichst unsichtbar verborgen wurden. Am Ende dieses Zeitraums waren das Fotomaterial und die Kameras so weit fortentwickelt, dass auch von Laien und außerhalb der Ateliers brauchbare Fotografien angefertigt werden konnten. In jenen Jahren muss es wohl einen regelrechten Boom auf Portraitfotografie gegeben haben. Unsere Auswahl belegt wenigstens ein Duzend von Ateliers in der Innenstadt von Offenbach. Dies ist leicht erklärbar, denn zuvor war es noch der Malerei vorbehalten, Portraits anzufertigen, was sich nur wenige Wohlhabende leisten konnten. Die ersten Photoateliers gründeten demensprechend Maler. Im Kalender sind 52 Fotografien reproduziert, die den besonderen ästhetischen Charakter dieser Epoche der Fotokunst wiedergeben, die einerseits aus der Atelieratmoshäre entsteht und sich andererseits dem Detailreichtum des Fotomaterials verdankt. Die Namen der Portraitierten sind unbekannt. Die Bilder zeigen aber, wie Offenbacher um die Jahrhundertwende und in bester Kleidung sich gerne selbst gesehen haben. Der Kalender ist in der Steinmetz’schen und der Buchhandlung am Markt für 15 € erhältlich.