27/12/2021
Auf vielfache Weise außergewöhnlich!
Das Buch, welches Gerhard Reinhold aus Essen über die Familien- und Firmengeschichte der Glockengießer Otto geschrieben und veröffentlicht hat, ist auf vielfache Weise außergewöhnlich. Es handelt sich um eine der ganz wenigen wissenschaftlichen Arbeiten, die sich mit der Arbeit und dem Leben von Glockengießern befassen. Weiter dürfte es vom Layout her eines der schönsten Bücher über Glockengießer überhaupt sein. Und mit 30 x 30 cm Umfang, 5 cm Dicke und einem Gewicht von fast 5 kg ist es eines der gewichtigsten Bücher über Glockengießer.
Und nun veröffentlicht Reinhold ganz aktuell dazu einen Nachtrag, ein Supplement mit einem Umfang von 36 Seiten. Darin geht es um die Geschichte der Rezeption und Rekonstruktion der Otto-Rippe im 20. und 21. Jahrhundert. Grundlage ist ein 100 Jahre altes Arbeitspapier des Bremer Musikdirektors Emanuel Kretschmer aus Bremen. Kretschmer war mit einer Tochter der Ottos verheiratet und hat für die Gießerei in Hemelingen gearbeitet. Für seine Arbeit hat er handschriftlich die relevanten Daten und Rechenvorschriften zur Konstruktion von OTTO-Glocken notiert. Der Inhalt dieses Dokumentes wird durch Bruder Michael Reuter, dem Glockensach-verständigen und Glockengießer aus dem Kloster Maria Laach, begutachtet. Reuter hat selbst Glocken in rekonstruierter OTTO-Rippe gegossen hat. Hierdurch ergibt sich ein Bezug zum großen OTTO-Glockenbuch mit den Rippentabellen und den Lehrbriefen der Glockengießerschule. Insgesamt werden Glocken von drei verschiedenen Glockengießern vorgestellt, die Glocken in rekonstruierter OTTO-Rippe gegossen haben. Zeichnungen rekonstruierter OTTO-Rippen sind abgebildet.
Ein kleiner Exkurs widmet sich Glocken mit NS-Symbolen und -Inschriften auf der einen Seite und als Antipode dazu jungen Glocken in rekonstruierter OTTO-Rippe, die den Opfern der NS-Gewaltherrschaft geweiht sind. Weiter wird eine kleine OTTO-Glocke der Johannis-Gemeinde in Bremen-Oberneuland aus dem Jahr 1939 vorgestellt. Sie wurde erst 1997 bei Gartenarbeiten wiederentdeckt, d.h. sie war 55 Jahre vergraben, um sie vor der Glockenbeschlagnahme und -vernichtung der N***s zu retten.
Ein kurzer Einschub erläutert, weshalb die OTTO-Glocken der Basilika St. Ludgerus in Essen-Werden aus dem Jahr 1909 Tellerkronen tragen und keine OTTO-Kronen. Darüber hinaus bringt das Supplement Ergänzungen und Korrekturen zum Werkverzeichnis von Hemelingen sowie zum Quellen- und Literaturverzeichnis.
Drei Rezensionen namhafter Personen bilden den Abschluss des Supplements.
Das Supplement führt die Geschichte der Glockengießer Otto weiter aus, weshalb alle Käufer des OTTO-Glockenbuches das Supplement zusätzlich und gratis erhalten.