27/05/2026
👌 KAUM ZU GLAUBEN!
Über 10 Jahre arbeiten wir nun an einem Verfahren, undichte Ballonhüllen nicht entsorgen zu müssen. Piloten kennen das Problem: Heißluftballonstoffe sind hauptsächlich mit Polyurethan beschichtet, um sie luftdicht zu machen. Das größte Problem am Polyurethan ist, dass diese chemische Verbindung hydrophil ist. Sie liebt Wasser – und bei der Verbrennung von Propan, auf feuchten Wiesen und durch die Luftfeuchtigkeit findet das Polyurethan genügend davon, um nach einigen Jahren durch Hydrolyse (https://www.secutex.com/technikum/materialeigenschaften/hydrolyse) – so nennt man den natürlichen Alterungsprozess der Beschichtung – zerstört zu werden.
Das Ergebnis ist ein zunehmend poröser Stoff. Der Ballon beginnt deutlich mehr Gas zu verbrauchen. Die heiße Luft durchströmt die Faser, sie wird schneller zerstört, und die Reißfestigkeit lässt nach.
Jetzt gibt es sehr viele Ballone, die nur wenig im Jahr gefahren werden. Ein Zweitballon, der geschont werden soll, eine Sonderform, Hopper oder einfach Ballone von Piloten, die wenig fahren, erreichen häufig nur 10–20 Fahrten pro Jahr. Wir alle wissen mittlerweile auch, dass Ballonhüllen nach 500–1000 Stunden die kritische Grenze der Reißfestigkeit unterschreiten und beim Grabtest durchfallen. Aber sehr viele Ballone erreichen diese Betriebsstunden bei weitem nicht. Stattdessen zerfällt die Ballonbeschichtung aufgrund von Alterung und Hydrolyse bereits nach 15–20 Jahren.
Häufig sind zunächst nur die oberen Bahnen betroffen. Schleichend setzt sich dieser Prozess über die Jahre weiter nach unten fort. Oft hören wir von Ballonfahrern, dass der Stoff anfängt zu kleben – ein Zeichen dafür, dass die Hydrolyse einsetzt.
Hier kommt bei solchen Ballonen die Möglichkeit in Betracht, die Beschichtung zu erneuern. Ein Nachbeschichtungsverfahren ist in den USA bereits seit vielen Jahren etabliert. Aufgrund unserer Recherchen zur Machbarkeit und zahlreicher Tests in den vergangenen Jahren mussten wir feststellen, dass von Seiten der meisten Hersteller kein Interesse besteht, ein solches Verfahren selbst einzuführen.
Dabei habe ich großes Potenzial gesehen, diese Innovation vielleicht als erster Ballonhersteller in Europa einzuführen – und damit Kunden zu gewinnen sowie zu zeigen, dass Nachhaltigkeit mittlerweile auch in der Luftfahrt wichtig geworden ist.
Warum sollte eine 20 Jahre alte Ballonhülle mit nur 100 Betriebsstunden nicht noch weitere 10 Jahre betrieben werden dürfen? Wenn es sicher und wirtschaftlich sinnvoll ist – was spricht dagegen?
Mit Schroeder Fire Balloons konnten wir immerhin einen Hersteller gewinnen, der einer Nachbeschichtung positiv gegenübersteht. Andere Hersteller hingegen haben ihre Bedenken sofort in ein „Service Letter“ gepackt und geurteilt, dass der Stoff nach der Beschichtung unterschiedliche Stoffeigenschaften aufweise.
Doch wie unterschiedlich ist denn der Stoff einer einzelnen Ballonhülle bereits nach jahrelanger Nutzung?
Unterschiedliche thermische Belastungen im oberen Bereich, verschiedene Farben, Hyperlast- und Normalstoff, Belastungen an den Drehventilen und viele weitere Einflüsse sorgen dafür, dass der Stoff während seiner Lebenszeit ohnehin unterschiedliche und ungleiche Eigenschaften erfährt. So ist der Stoff oben weniger reißfest als unten – und meist auch deutlich poröser.
Schauen wir uns also einfach die Fakten an, die uns zahlreiche Tests gezeigt haben:
Eine 20 Jahre alte Ballonhülle besitzt nach 80 Betriebsstunden häufig noch nahezu die gleiche Reißfestigkeit wie neuer Stoff. Sie ist lediglich undicht geworden.
Ich bringe nun also dieselbe chemische Beschichtung auf, die bereits vor 20 Jahren verwendet wurde. Was spricht dagegen? Brandverhalten des neu beschichteten Stoffes? Weiterreißfestigkeit?
Wir haben all das in einem Labor getestet. Es wundert wenig, dass alter, poröser Stoff einer lufttüchtigen Ballonhülle im Brandtest durchgefallen ist. Der neu beschichtete Stoff hingegen unterschied sich kaum von neuem Material und bestand die Tests.
Ende 2025 wurde nach der Anzeige eines Ballonfahrers beim LBA das Thema Nachbeschichtung behandelt, als bestünde die Gefahr, dass morgen 50 Ballone vom Himmel fallen würden. Dieser Ballonfahrer hatte ebenfalls von einer Ballonhülle erfahren, die vom Besitzer nachbeschichtet und längere Zeit eingesetzt worden war. Diese wurde daraufhin umgehend vom LBA gegroundet.
Zusätzlich wurde ein Bericht auf der Homepage des LBA veröffentlicht, um alle Ballonfahrer zu warnen. Schnell verbreitete sich das Thema über soziale Medien.
Das Ergebnis dieser Aktion?
Ballonfahrer riefen mich an, weil sie erfahren hatten, dass ich mich mit dem Thema beschäftige, und wollten wissen, was sie tun können, um ihren liebgewonnenen alten Ballon wieder dicht zu bekommen.
Das war für mich noch mehr Anreiz, mich der Sache ernsthaft anzunehmen und die gewonnene Erfahrung endlich in ein genehmigtes Verfahren umzusetzen.
Benjamin Eimers
Unser Statement von Eimers Ballooning nachfolgend:
Wir freuen uns sehr, bekanntgeben zu dürfen, dass die EASA uns das offizielle Supplemental Type Certificate (STC) für die Wiederbeschichtung von Heißluftballonhüllen erteilt hat.
Mit dieser Zulassung wurde ein neuer Weg geschaffen, gealterte Ballonhüllen unter definierten technischen und luftrechtlichen Bedingungen weiterhin sicher betreiben zu können. Ziel des Verfahrens ist es, die Leistungsfähigkeit geeigneter Hüllen zu erhalten und ihre Nutzungsdauer kontrolliert zu verlängern – selbstverständlich unter Einhaltung der hohen Sicherheitsstandards der Luftfahrt.
Besonders freut uns dabei, dass dieser Ansatz auch den Gedanken der Nachhaltigkeit unterstützt. In einer Zeit, in der Ressourcenschonung und verantwortungsvoller Umgang mit Materialien immer wichtiger werden, sehen wir großes Potenzial darin, bestehende Ballonhüllen sinnvoll weiter nutzen zu können, anstatt sie frühzeitig ersetzen zu müssen.
Die erteilte Zulassung zeigt, dass Innovation, Sicherheit und Nachhaltigkeit in der Luftfahrt gemeinsam möglich sind. Genau das möchten wir mit diesem Projekt zeigen.
Wer gerne mehr über das nun genehmigte Reparaturverfahren der Nachbeschichtung erfahren möchte, kann sich gerne bei Eimers Ballooning melden.